Denver. Für mich wird dieser Flughafen ab jetzt für immer mit einer einschneidenden Erfahrung verbunden sein.

An großen Flugzeugen wie dem Dreamliner mag ich am liebsten, dass es einen Bildschirm gibt. Immer noch schaffe ich es nicht, auf langen Flügen entspannt zu schlafen oder zu lesen. Stattdessen schaue ich Filme oder überprüfe mithilfe der Flugansicht auf dem Monitor, wie lange wir noch unterwegs sein werden.
Nach fast 9 Stunden ist dieser Flug beinahe vorüber. Eine Durchsage informiert uns, dass wir uns bereits im Landeanflug auf Denver befinden. Von dort aus soll es weiter nach Los Angeles gehen. Ich lehne mich im Sitz zurück, erleichtert, dass ich mir bald die Beine vertreten kann.
Die Erleichterung hält nicht lange, denn die Landung fühlt sich an wie die schlimmste Achterbahnfahrt der Welt.
Das Flugzeug schießt plötzlich nach oben, sackt dann wieder ein ganzes Stück runter. Ich zucke zusammen und meine Hände greifen vergeblich nach etwas, an dem ich mich festhalten könnte. Am Ende krümme ich mich zusammen und lehne meine Stirn gegen den Sitz vor mir. Schweiß klebt meine Klamotten an mir fest, während Turbulenzen uns durchschütteln.
Ich gehe im Schnelldurchlauf jede einzelne Strategie durch, um die aufsteigende Panik zu bekämpfen. Die Luft ist auch nur eine holprige Straße. Es sind nur die Wolken. Wenn man nach unten geht, wird es automatisch turbulenter. Wahrscheinlich fliegen wir über ein Gebirge.
Normalerweise, nach Jahren der Arbeit, habe ich meine Flugangst mittlerweile ziemlich gut im Griff. Aber heute fühle ich Dinge, die ich noch nie beim Fliegen gefühlt habe. Mir schießen Bilder durch den Kopf. Horrorszenarien voller Schreie, Rauch und Flammen. Die Schnappatmung ist kaum noch unter Kontrolle zu bringen. Warum habe ich mich schon wieder in ein Flugzeug gesetzt?!
Die Realität holt mich zurück, als das Flugzeug ruckartig auf dem Boden aufsetzt und nach vorne rast, um dann endlich, nach gefühlten Ewigkeiten, stehen zu bleiben. Ich atme aus und hebe den Kopf, blinzele mir die Tränen aus den Augen.
Es ist vorbei.
Und es war wichtig. Warum? Weil nichts passiert ist.
Eine der vielen brutalen Wahrheiten eines Lebens mit Angststörung: Du wirst die Angst nicht einfach los. Du lernst mit ihr zu leben und nimmst sie überall mit hin. Du ziehst die Sachen trotzdem durch und zeigst der Angst, deinem ständigen Begleiter, dabei: Es passiert nichts. Denn wir sind nicht die Außerwählten unter vielen Millionen Menschen, denen jetzt diese eine schlimme Sache passieren wird.
Auch der Start in Denver war eine Achterbahnfahrt, die sich schwer aushalten ließ. Später habe ich recherchiert und herausgefunden, dass Denver einer der turbulentesten Flughäfen überhaupt ist. Das Gewackel ist dort also ganz normal und die Piloten sind darauf eingestellt.
Angst bekämpft man am besten mit Erfahrungen und Fakten. Meine Fakten über das Fliegen habe ich mir mithilfe von Büchern, Podcasts und Videos gesammelt. Es gibt viele Piloten und Flugbegleiter, die aus ihrem Alltag berichten und dabei helfen, die Prozesse beim Fliegen zu verstehen. In Denver hatte ich das erste Mal seit langem wieder wirklich Angst und Panik im Flugzeug, aber ich konnte sie aushalten und am Ende hat es sich, so wie immer, gelohnt, die Angst zu überwinden: Ich hatte einen tollen Urlaub in Los Angeles.
Hast du Flugangst? Was tust du dagegen?