Gedichte · Meine Texte

Angst vor dem Vergessen

Ein Gedicht für Oma

heute sah ich deine Reflektion in einer rotglänzenden Christbaumkugel

deine Lippen rissig, doch glänzend vom Balsam, zu einem Lächeln verzogen

deine Hand auf einen Lebkuchen deutend, blaue Venenäste auf deinen Knöcheln

deine Augen an meinen Lippen hängend, nur für einen Moment

bevor die Schulter im Rücken mich weiterdrängt

Erinnerungsfetzen im Dampf davon schwebend

zwischen der Wärme von Tassen und der Kälte des Winters gefangen

das Versprechen von Vergessen

es schwebt über mir,

doch halte ich noch fest

jeden Augenblick

der ein Bild entstehen lässt

von dir

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Dieses Gedicht ist im Rahmen meiner Aktion #schreibengegendieangst auf Instagram entstanden. Thema 43 lautet: „Angst davor, zu vergessen oder vergessen zu werden“. Texte jeder Art sind willkommen. Vielleicht schaust du auch einmal vorbei, lieber Leser? Ich würde mich freuen!

Angst von A-Z · Blog

Angst von A-Z: A wie „Atmen“

Reguliere die Atmung und kontrolliere so den Geist. – B.K.S. Iyengar

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Atmen. Es ist ein natürlicher und automatischer Vorgang. Ein. Aus. Ein. Aus. Meistens denkst du gar nicht darüber nach. Tust es einfach. Ganz mechanisch: Ein. Aus.

Doch Angst bringt deinen Atem-Rhythmus durcheinander.

Es beginnt mit einem Stocken. Der Atem bleibt dir in der Kehle stecken. Alles scheint enger zu werden. Scheint sich zusammenzuziehen. Die Brust wird enger. Ein Druck breitet sich in deinem Kopf aus und lässt keinen Platz für Gedanken. Mit dem Druck kommt ein Schwindelgefühl. Ein erster Schauer, der dir kalt über den Rücken läuft. Ein erstes Vorgefühl von: Etwas stimmt nicht.

Dann geht alles ganz schnell. Dein Atem rennt dir davon. Gerät außer Kontrolle. Nicht genug und doch zu viel. Luftnot. Du atmest wie ein Fisch, der plötzlich aus dem Wasser gezogen wurde: Schnappatmung. Dein Mund öffnet und schließt sich, doch deine Lungen wollen sich nicht füllen.

Panik. Du fühlst sie kommen. Kannst ihr nicht entfliehen. Sie packt dich. Presst mit einer eiskalten Faust deine Brust zusammen, bis du das Gefühl hast, dass du gleich zerbersten wirst. Dein Körper füllt sich mit Eiswasser. Ein steter Strom, in dem jeder klare Gedanke ertrinkt.

Gefangen im Fluchtinstinkt versuchst du, die Oberfläche zu erreichen. Gleich, sagt die Angst, wird etwas Schlimmes passieren. Du wirst umfallen. Du wirst ohnmächtig. Oder du wirst einen Herzinfarkt haben. Und alle werden es sehen. Tausend Augen, die dich aus der Dunkelheit heraus beobachten. Doch du wartest vergeblich. Es passiert nichts.

Die Panikattacke dauert etwa 30 Minuten und es ist ein Fehlalarm. Das weißt du erst später.

Angst und Atmung sind miteinander verbunden. Wir atmen schneller, wenn wir Angst haben, weil die Panik unser körpereigenes Alarmsystem aktiviert und einen Fluchtinstinkt auslöst. Die Muskeln müssten bei einer Flucht mit mehr Sauerstoff versorgt werden, deshalb beschleunigt sich der Atem. Die übermäßige und flache Atmung kann zusätzlich Schwindel, Benommenheit oder Kribbelgefühle auslösen, die häufig zu noch mehr Angst führen.

Da das Gehirn schnelle Atmung mit Angst verknüpft, verbindet es langsames Atmen stattdessen mit Entspannung. Du kannst dich aus einer Panikattacke heraus atmen. Langsames und gleichmäßiges Atmen signalisiert dem Gehirn, dass keine Angst vorliegt.

Gegen die Angst zu atmen heißt: bewusst und durch den Bauch zu atmen. Atme tief durch die Nase ein. Fühle, wie das Einatmen deinen Bauch hebt. Lasse die Luft einen Moment in den Lungen, bevor du sie in einem langen Atemzug durch die Nase entlässt. Atme langsam und regelmäßig. Lass deinen Oberkörper und die Schultern ganz locker. Es gibt einige Techniken, die helfen. Hier ein Beispiel: 7 Sekunden einatmen, 3 Sekunden halten und 7 Sekunden ausatmen.

Mehr Informationen zu Angst und Atmen findest du hier: https://www.felix-michael-kolb.de/post/atemtechniken-gegen-angst-aber-richtig

Gibt es etwas, das du gerne zu Angst und Angst- / Panikstörung wissen möchtest? Sag es mir in den Kommentaren oder sende mir eine Nachricht!

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Angststörung · Blog · Gedichte · Meine Texte

Sonnentag

ein ruhiger Sonnentag
der zu blau strahlt
auf der Terrasse erstarrt
wird die Gefahr plötzlich real
mit abgrundtiefer Gewissheit
wird Atmen zum Warten
auf das gleißende Weiß
auf den Anfang vom Ende der Welt
Mediengefüttert wächst die Panik
fühle mich Jahre zurückversetzt
als ich zum ersten Mal entsetzt
den Flammenpilz erblickte
der Städte vernichtete
Angst speicherte die Bilder
nun, viele Jahre später
schnürt es mir die Kehle zu
das Wissen, sie sind irgendwo
diese schlafenden Flammen
bleibt zu hoffen, dass sie nie erwachen
an diesem Sonnentag
kühle ich die Angst, lenke mich ab
doch bleibt ein Rest Zukunftslosigkeit
wer bestimmt, wie viel Zeit der Welt bleibt?


Eine meiner schlimmsten Ängste war und ist die Atombombe. In der schlimmsten Phase meiner Angststörung konnte ich regelrecht die Bomben vor meinen Augen fallen und explodieren sehen. Ich fühlte eine ständige Todesangst, auch wenn Flugzeuge über mich hinwegflogen. Seit ich in der Therapie war, ist das besser, doch Medien und aktuelle Geschehnisse füttern die Panik und es fühlt sich an, als würden Ängste zurückkehren. Darüber zu schreiben, hilft.

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